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Mittwoch, 16. September 2026

Wenn Feminismus und Antisemitismus kollidieren

Ein ungewöhnliches Bündnis zwischen Feministinnen und antisemitischen Frauenfeinden wirft Fragen zur Ethisierung von Konflikten auf. Diese Verstrickungen sind alarmierend und erfordern eine kritische Auseinandersetzung.

Anna Schmidt··2 Min. Lesezeit

Wir stehen oft in einem Raum voller Stimmen. Letztens war ich auf einer Diskussionsveranstaltung, die die Rolle des Feminismus in der heutigen Gesellschaft zum Thema hatte. Der Raum war erfüllt von leidenschaftlichen Reden über Gleichheit und Gerechtigkeit. Doch während ich den Worten lauschte, bemerkte ich eine schleichende Veränderung in der Argumentation. Es schien, als ob die Diskussion über Frauenrechte einen gefährlichen Schwenk nach links machte, hin zu einer unkritischen Solidarität mit antisemitischen Äußerungen.

Zunächst war ich perplex. Wie konnte es sein, dass Feministinnen, die sich für die Rechte von Frauen auf der ganzen Welt einsetzen, gleichzeitig eine Agenda unterstützen, die in direktem Widerspruch zu den Grundwerten von Gleichheit und Menschlichkeit steht? Die beiden Positionen scheinen nicht nur unvereinbar, sie sind es auch. Mangelnde kritische Reflexion über die eigene Haltung führt dazu, dass bestimmte Ideologien verwässern und Radikalismus auch ins eigene Lager schwemmt.

Es ist nicht das erste Mal, dass Feminismus und Antisemitismus in eine komplizierte Beziehung treten. In vielen gesellschaftlichen Debatten verstecken sich antisemitische Ressentiments hinter dem Deckmantel einer vermeintlich progressiven Haltung. In der aktuellen politischen Landschaft, in der das Thema Israel oft polarisiert, wird diese Verstrickung besonders sichtbar. Feministinnen, die gegen eine vermeintliche patriarchale Unterdrückung antreten, sind manchmal bereit, sich mit Akteuren zu verbünden, die Frauenfeindlichkeit und Antisemitismus propagieren, nur um ihren eigenen politischen Zielen näher zu kommen.

Doch was steckt hinter diesem Bündnis? Ist es eine bewusste Entscheidung, oder handelt es sich um einen blinden Fleck, der uns erst sichtbar wird, wenn wir uns selbst in die Augen schauen? Es ist beunruhigend zu sehen, dass die eigene Agenda, die sich ursprünglich gegen Unterdrückung und Ungerechtigkeit richtet, in einen solchen Widerspruch zur Realität führen kann. Wie viele feministische Stimmen wurden bereits in diesem Kontext unterdrückt, weil sie den Mut hatten, sich gegen diese unheilige Allianz zu stemmen?

Die Frage ist auch, ob es einen gemeinsamen Nenner gibt, den die Beteiligten nutzen, um ihre Positionen zu rechtfertigen. Ist es ein tiefverwurzeltes Misstrauen gegenüber westlichen Demokratien? Oder ist es die naive Annahme, dass jede Kritik an Israel als legitim angesehen wird, selbst wenn sie antisemitische Stereotype bedient? Manchmal denke ich, dass es an der Zeit ist, sich die kritischen Fragen zu stellen, die wir gerne meiden. Warum sind wir so bereit, unsere Werte zu opfern, um eine vermeintlich solidarische Position einzunehmen?

Wenn Feministinnen und Antisemiten zusammenkommen, entsteht ein gefährliches Paradox. Das Streben nach Gleichheit darf nicht auf Kosten anderer gehen, besonders nicht auf Kosten derjenigen, die bereits marginalisiert sind. Feminismus sollte die Stimme der Unterdrückten sein und nicht einer weiteren Ideologie dienen, die in sich selbst gespalten ist. Wir müssen uns die Zeit nehmen, darüber nachzudenken, was wir wirklich unterstützen und warum wir es unterstützen.

Der Feminismus hat die Macht, Frauen zusammenzubringen und gegen Unterdrückung zu kämpfen. Aber er muss auch den Mut haben, sich von Bewegungen zu distanzieren, die mit Hass und Vorurteilen gefüllt sind. Wenn wir dies nicht tun, laufen wir Gefahr, uns in einen Widerspruch zu verstricken, der nicht nur der Frauenbewegung, sondern auch der gesamten Gesellschaft schadet.

Letztlich sollten wir uns fragen: Ist diese Solidarität wirklich das, was wir als progressiv oder gerecht betrachten wollen? Oder ist es an der Zeit, die eigenen Überzeugungen zu hinterfragen und zu reflektieren, in welche Richtung wir als Gemeinschaft steuern?